Silvesterangst

Es geht auf Neujahr zu und die ersten Knaller sind zu hören.

Was tun mit dem Vierbeiner, der Angst vor Feuerwerk hat?

Wunderkerze

Symptome

  • Fluchtreflex bei Knallerei

  • unverhältnismäßige Gereiztheit bis zu Aggression

  • Anbellen/ Anknurren der Geräuschquelle

  • Panikattacke

  • Ohren flach am Kopf

  • geduckte Haltung

  • Rute gesenkt oder eingezogen

  • Zittern

  • Speicheln

  • Hecheln

  • erhöhte Herzfrequenz

  • Schwitzen an den Pfoten

  • Unruhe

  • emotional bedingter Harn- und Kotabsatz oder gänzliches Zurückhalten

Feuerwerk

Ursachen für die Angst vor Feuerwerk und Böllern

Warum gibt es sie?

  • Die Angst ist evolutionsbedingt sehr hilfreich. Sie schützt uns vor lebensgefährlichen Situationen, indem sie zu uns zu einer Reaktion bewegt, die Gefahr zu überwinden, sie abwehren und beseitigen. (Im höchsten Fall Flucht oder Angriff). Sie war also ein Fortpflanzungsvorteil.

Was passiert wenn die Angst zunimmt?

  • Die Angst steigt und damit auch der verbundene Stresszustand.

  • Die Wahrnehmung für Lärmsituationen verändert sich zum Negativen, einfache Situationen können als gefährlich wahrgenommen werden.

  • Wird der Stress nicht abgebaut und häuft sich, kann dieser Zustand durchaus chronisch werden.

Buntes Feuerwerk

Angst an Silvester/ Neujahr

  • Zuerst einmal entwickelt sich ein erfreuliches Bewusstsein für die unangemessene Lautstärke der Böller, sodass mittlerweile viele an Silverster darauf verzichten. Auch Pfeifraketen werden gegen surrende Funkenregen getauscht, um der Tradition eine angenehmere Lautstärke zu geben.

  • Die tierische Reaktion auf Lärmquellen ist normal und auch bei den meisten Hunden normalisiert sich das Verhalten nach den ersten 24 Stunden wieder. Einige brauchen eine ganze Woche dafür, auch hin und wieder den eifrigen Knallnachzüglern geschuldet. Bei unsicheren Hunden kann es auch Wochen oder Monate anhalten. Geduld, es dauert.

  • Bei Angsthunden kann Silvesterknallerei besonders belastend sein.

Angsthund an Silvester

  • Für Angsthunde, die ohnehin schon unsicher sind oder waren, ist ein Silvesterfeuerwerk eine ganz andere Herausforderung. Geraten sie in Stress oder gar Panik oder sortieren die Situation in die Schublade "Gefahr!", kann schon mal das mühevolle Training dahin sein.

  • Für Angsthunde sollte rechtzeitig mit Gegenkonditionierung und Entspannungstraining begonnen werden.

  • Ist es bereits zu spät dafür - an dieser Stelle ein fröhliches und gesundes neues Jahr - dann hilft langsames und geduldiges Herantasten an vermeintlich gefährliche Situationen. Wunderbar ist das Gassi zu Zeiten, an denen wenig los ist.

Hündchen

Was tun am Silverstertag?

Der 31.12. ist da, wie kann ich dem Hund helfen?

  • Tagsüber rechtzeitig raus gehen, auslasten und müde machen.

  • Gut den Hund und die Leine sichern, beispielsweise mit einem Geschirr. Dieses eignet sich durch die Polsterung aus eigener Erfahrung auch hervorragend für ältere und gerade für stark ziehende Hunde.

  • Das Rausgehen nicht erzwingen, wenn es bereits vorab geknallt hat. Aber immer wieder anbieten. 

  • Nicht mit dem Hund in eine Stressspirale geraten, zurücklehnen, lächeln und entspannen, den Hund kuscheln oder Hand auflegen, damit die Ruhe auch auf die Fellnase übergeht.

  • Musik einschalten, wir nehmen zumeist klassische Musik, die ist angenehm sanft.

  • Gardinen/Rollos schließen, damit der Schrecken nicht mit jedem Funkenschauer kommt.

  • Zusammenhalt und Verständnis. Wichtig bei Ängsten ist, dass die Fellnase spürt, sie ist nicht allein, denn das gibt Sicherheit.

  • Etwas zum Kauen geben. Evolutionsbedingt essen Hunde ebenso wie Menschen nicht bei Gefahr, ergo dreht man einfach die Situation. Gibt es vor der Knallerei etwas zu essen und genießen, wird die Lage eher als ungefährlich eingestuft.

  • Rückzugsmöglichkeiten geben, wie die Nähe zum Lieblingsmenschen, das Sofa, die Decke, unter dem Tisch oder das ruhige Zimmer, je nachdem wo sich der Hund wohl fühlt.

 

Angsthunden nach Silvester helfen

  • Es gibt verschiedene Lösungsansätze. Man kann zum Gassi einen zweiten sicheren Hund mitführen. Hat man selbst nur einen Hund, kann man Freunde, Nachbarn oder auf der Hundewiese um Hilfe fragen.

  • Mit anderen positiven Geräuschen draußen ablenken, beispielsweise Musik oder vorsingen.

  • Ein späteres Geräuschtraining an einem sicheren Ort kann sinnvoll sein, beispielsweise zuhause mit einem Video im Hintergrund, wo Feuerwerk zu hören ist. Dieses leise abspielen und nach und nach lauter werden.

  • Leckerlies mit nach draußen nehmen, vorausgesetzt der Hund lässt sich von Futter ablenken. Warum hilft Futter bei Angst? Das hat evolutiosbedingte Gründe, so wurde bei Gefahr nicht gefressen, war alles okay, konnte Nahrung aufgenommen werden. Übrigens auch ein nützlicher Tipp für Menschen in Stresssitutationen, diese können dann Kaugummi kaufen. 

  • Körperkontakt zum Hund aufnehmen oder auch Tellington Touch (TTouch).

  • Beim Gassi gehen kann auch ein Thundershirt helfen. Wer kreativ ist, kann sich auch aus einer einfachen Fleecedecke eine Hilfsdecke basteln, die man umwickeln kann, so lenkt man die Aufmerksamkeit auf das Körpergefühl und Selbstwahrnehmung, statt auf das Außenherum.

  • Nicht verzweifeln, es gibt Hunde, die sich ein oder zwei Tage gar nicht raus bewegen möchten. Hier kann eine Welpentrainingsmatte abhilfe schaffen (oder saugstark eine Wickelunterlage). Einige nehmen auch eine Katzentoilette und füllen diese mit Erde auf.

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Schatten

Hilfsmittel aus der Apotheke

  • Auch Bachblüten sind immer wieder ein beliebtes Mittel bei Stress und Unruhe. Diese gibt es in der Apotheke in Form von Tropfen und Drops. Die Wirkung bei regelmäßiger Einnahme entfaltet sich erst nach zwei Wochen, kann je nach Hund aber auch 6-9 Wochen dauern. Geduldet euch also, wenn ihr nicht in den ersten Tagen eine Veränderung bemerkt. 

  • CBD Öl ist ein Extrakt aus der Hanfpflanze, es soll weder berau­schend wirken, noch Abhän­gigkeit auslösen, stattdessen soll es entzündungshemmend, entspannend und schmerzlindernd wirken (Stand 2021).

Vorab sollte aber ein Tiertrainer oder Tierarzt um Rat gefragt werden.